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LEWIN (LETTON, NIWELL), HEINZ (HEINRICH, HARRY) * Wiesbaden 22. März 1888 | † Auschwitz Sept. 1942; Komponist, Tabakfabrikant

Zur Kindheit und schulischen Ausbildung Heinz Lewins ist nichts bekannt. Seine Eltern Moses und Chaja leiteten in Wiesbaden die Tabak- und Cigaretten-Fabrik Menes. In dieser arbeitete er auch selbst, sodass zu vermuten ist, dass er zumindest eine kaufmännische Ausbildung genossen hat. Ab 1906 trat Lewin öffentlich als Komponist in Erscheinung. Möglicherweise erhielt er Kompositionsunterricht von Adolf Huber, der sein Klaviertrio op. 28 von 1913 „[seinem] lieben Schüler Heinz Lewin gewidmet“ hat. Lewins erste Ehe, aus der Sohn Rolf Arthur hervorging, schloss er 1912 mit Jenny Trabsky. Von 1915 bis zur Geschäftsaufgabe 1928 leitete Lewin die Zigarettenfabrik; danach widmete er sich ganz der Musik und siedelte 1929 nach Berlin um. Dort schloss er 1930, nachdem er 1922 von seiner ersten Frau geschieden worden war, die Ehe mit der Balletttänzerin Thea Kerbler; die Scheidung erfolgte ein Jahr später. Nachdem Lewin ab 1933 infolge der Machtübernahme der NSDAP mit Berufsverbot belegt worden war, hielt er sich vom 9. bis zum 18. November 1933 in London auf, danach möglicherweise in Prag und Wien. Ab dem 30. Juni 1936 ist er in Paris nachweisbar, wo er nach Kriegsbeginn inhaftiert und ins Internierungslager Septfonds gebracht wurde. Dort war er musikalischer Leiter der Groupe 302 de travailleurs étrangers. Im August 1942 wurde er von den Nationalsozialisten gefangen genommen und nach einem kurzen Aufenthalt im Sammellager Drancy am 9. September 1942 nach Auschwitz deportiert.

WerkeOperetten: Der Kurzschluß (UA Wiesbaden 29. Juni 1906) <> Der Prinzpapa (UA Magdeburg 16. Nov. 1907); KlA, Wiesbaden: C.G. Kunze [1908]; A-Wn, D-Cl, D-Sl, D-WIl; Textbuch, Wiesbaden: R. Bechtold & Co. [1908]; D-WIl; Textbuch, Berlin [1908]; D-WIl; daraus Walzer (Kl.), Warschau: Gebethner i Wolff; PL-Kj (digital) <> Der Prinzgemahl (im Juni 1909 in Prag aufgeführt, möglicherweise identisch mit Der Prinzpapa) <> Morgen wieder lustik (UA Cottbus 23. Okt. 1910); KlA, Berlin: Bloch [1911]; D-B; Soufflierbuch (unterschiedliche Ausgaben), Berlin: Bloch [1910] – Wien: Theaterverlag Eirich [ca. 1925]; D-Bmi, D-Bmm, D-F, D-KNth, D-LEdb; Textbuch (unterschiedliche Ausgaben), Berlin: Bloch [1910/1921]; D-B, D-Bmi, D-LEdb, D-WIl; Intermezzo Herkules Rheinländer (Kl.), Berlin: Bloch; D-B; daraus Spottlied (Orch.), Schallplatte Oden, D-LEdb; Walzer (Kl.), Berlin: Bloch; D-B; daraus Nr. 1-4 (Sst., Kl.), Berlin: Bloch [1911]; D-B <> Der lustige Kakadu (UA Magdeburg 3. Sept. 1911); KlA, Berlin: Ahn & Simrock [1911]; D-B; Textbuch, Berlin: Ahn & Simrock [ca. 1911]; A-Wn, D-B, D-LEdb, D-WIl, US-NYp; daraus Walzer (Orch.), Berlin: Dreimasken-Bühnen- und Musikverlag; D-LEdb <> Wenn im Frühling der Holunder…! (UA Mannheim 4. Aug. 1917); KlA, Berlin: Ahn & Simrock [1917]; A-Wn, D-B; Textbuch, Berlin: Ahn & Simrock [1917] in D-LEdb, D-WIl <> Filmmusik (seit 1932 veröffentlicht unter dem Namen Heinz Letton): Moritz macht sein Glück (1931) <> Kriminalreporter Holm (1932) <> Das Geheimnis des blauen Zimmers (1932); Video Engels und Schmidt Tonfilm GmbH in D-FRu <> Das Millionentestament (1933) <> Záhada modrého pokoje (1933) <> Die Nacht im Forsthaus (1933) <> Klavierwerke: Principessa (Kl.), Berlin: Bloch [1913]; D-B <> Gyngeduet: Rødt og Hvidt (Kl.), Kopenhagen: Wilhelm Hansen [1915] (Zuschreibung unsicher); DK-Kk <> Vokalwerke: Immer heiter und so weiter (Sst., Kl.), Berlin: Simrock [1911]; RUS-Mrg <> Scheint der Mond auf den Schädel (Sst., Kl.), Berlin: Ahn und Simrock [1920]; D-B <> 2 Lieder: Als ich dich zum erstenmal gesehn und Man läuft rum in der Welt, in: Die 6 Hauptschlager (Sst., Kl.), Berlin: Drei Masken-Verlag [1930]

Quellen und Referenzwerke — Ausweis Lewins (digital, Yad Vashem. The World Holocaust Remembrance Center) <> Steuerakten im Hessischen Hauptstaatsarchiv <> MMB <> Zeitschriften- und Zeitungsartikel, beispielsweise in Der Humorist, Mein Film, Prager Abendblatt, Die Stunde <> Frank/Altmann 1936 <> Eva Weissweiler, Ausgemerzt! Das Lexikon der jüdischen Musik und seine mörderischen Folgen, Köln 1999

LiteraturBibliographia Judaica. Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache, 4 Bde., Renate Heuer (Bearb.), München u. a. 1981–1996 <> Bundesarchiv Gedenkbuch (digital) <> Gisela Kunze, Erinnerungsblatt (Aktives Museum Spiegelgasse Wiesbaden (Link): Erinnerungsblatt, Zeitungsartikel zur Gedenkveranstaltung, Videolink zum Vortrag) <> LexM (digital) <> Karin Ploog, …Als die Noten laufen lernten…: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945, Bd. 1.2, Norderstedt 2015 <> StiegerO <> Konrad Vogelsang Filmmusik im Dritten Reich. Eine Dokumentation, Pfaffenweiler 1993, S. 177 <> Kay Weniger, Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933–1945, Berlin 2008, S. 400

Abbildung 1: Passfoto Lewins (Digitalisat im Photo Archive von Yad Vashem. The World Holocaust Remembrance Center, Original bereitgestellt von Yvonne Mocatta)

Abbildung 2: Stolperstein für Lewin in Wiesbaden (Luisenplatz 2), aufgenommen von Kristina Krämer im Juli 2019


Katrin Gessinger

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  • Zuletzt geändert: 2019/07/24 23:43
  • von kk