gretscher

GRETSCHER (Familie)

(1) Franz * Koblenz 26. Apr. 1816 | † Bad Neuenahr-Ahrweiler 22. Okt. 1895; Pianist, Dirigent, Komponist

(2) Philipp * Koblenz 5. Dez. 1859 | † Stettin 17. Jan. 1937; Sohn von (1), Chorleiter und Komponist


(1) Franz Gretscher, ein Sohn des in Koblenz verbliebenen französischen Soldaten Josef Henry G. aus Colmar (* 1769), der hier 1811 geheiratet hatte, erhielt vermutlich von Daniel Hünten, bzw. von dessen Söhnen Wilhelm und Peter Ernst Klavierunterricht. 1836 ließ sich Gretscher selbst als Musiklehrer in Koblenz nieder, war 1846–1853 Liedermeister der Liedertafel und eine zeitlang Leiter des Gesangvereins Concordia der Casino-Gesellschaft. 1865 bewarb er sich um die Nachfolge von Joseph →Lenz als Musikdirektor des Koblenzer Musik-Instituts, die jedoch an Max →Bruch vergeben wurde. Von 1867 an bekleidete er im Pensionat der Ursulinerinnen im Kloster Kalvarienberg bei Ahrweiler die Stelle des ersten Lehrers für Klavier und Gesang; zudem leitete er bis zu seinem Tod das Kurorchester in Bad Neuenahr. – Gretscher betätigte sich wie seine beiden Brüder Heinrich Josef (1813–1883) und Jakob Philipp (1819-1885) auch als Lokalpoet und versorgte vor allem die Koblenzer Karnevalisten mit Liedtexten, die er, im Gegensatz zu seinen Brüdern, selbst vertonte.

Werke — Zwischen 1837 und 1887 erschienen 55 Werke mit Opuszahlen, ca. zwei Drittel davon bei André in Offenbach (vorhanden in D-OF), im Druck. Zumeist handelt es sich um Variationen sowie Tänze und sonstige Stücke für Klavier. Eine 1861 aufgeführte Messe a cappella blieb ungedruckt und ist verschollen.

Quellen und Referenzwerke — zahlreiche Briefe an André in Offenbach (1842–1860) (D-OF) <> StaKO 623/4514 S. 59–60 <> Adressbücher von Koblenz (1840–1863) <> Koblenzer Anzeiger 5. Febr. 1841, 10. Febr. 1841, 4. Febr. 1848; Coblenzer Zeitung 1. Jan. 1862, 5. Sept. 1865; Coblenzer Heimatblatt (Beilage des Koblenzer General-Anzeigers) 18. Nov. 1928 <> Hundert Jahre „Liedertafel“ Coblenz, Koblenz 1924, S. 25 und 75 <> MMB, Kat. André 1900, Pazdírek

Literatur — Frank/Altmann 1927 <> Baur 2008

Abbildung: Rheinischer Gruss. Fest-Polonaise op. 34, Offenbach: André [1858]; D-KWbeer


(2) Philipp Gretscher wuchs in Ahrweiler auf, besuchte in Koblenz das Gymnasium, studierte in Leipzig Pharmazie sowie anschließend Gesang und Klavier in Düsseldorf, wo er 1885 seine künstlerische Laufbahn begann; es folgten Tätigkeiten als Chorleiter in Eupen (ab 1888), Aachen (ab 1894) und Stettin (ab 1901), wo er die Akademie für Kunstgesang übernahm. Seine Schwester Clara wirkte als Klavierlehrerin im Kloster Kalvarienberg bei Ahrweiler; der Bruder Konrad, in der Versicherungsbranche tätig, soll auch gedichtet und komponiert haben. Ein Paul Gretscher läßt sich als Komponist nachweisen.

Quellen — Nachlass (enthält u. a. ein maschr. Werkverzeichnis sowie Ausschnitte aus der Lokalpresse) im Besitz des Enkels Dietrich Buck (Bonn) <> Dietrich Buck, Lebensbild Philipp Gretscher, Bonn 2007 (Ms.) <> Auskünfte von Dietrich Buck <> Pazdírek

Werke — Das im Nachlass überlieferte Werkverzeichnis reicht bis op. 151 (Lieder und Chöre für verschiedene Besetzungen); Verlage u. a. Kistner bzw. Kahnt (Leipzig), Diederichs (Jena), Callwey (München), Tischer&Jagenberg (Köln)


Uwe Baur †

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  • Zuletzt geändert: 2020/07/08 12:54
  • von kk