mand

MAND (Familie)

(1) Carl (I) * Horchheim 27. Okt. 1811 | † Koblenz 28. Aug. 1892; Klavierbauer

(2) Carl (II) * Koblenz 28. Juli 1846 | † ebd. 26. Dez. 1906; Sohn von (1), Klavierbauer


(1) Der Sohn eines Schreiners und Winzers erlernte – an Stelle seines erkrankten Bruders Nikolaus Mand – das Klavierbauerhandwerk ab 1827 in Wien und gründete nach seiner Rückkehr 1835 in Koblenz eine eigene Firma. Die erfolgreiche Fabrikation von Tafelklavieren und Flügeln – zeitweise unterstützt durch den vermögenden Komponisten Franz →Hünten – führte 1853 zur Ernennung zum Hoflieferanten der Kaiserin und Königin Augusta, 1875 zum Hofpianoforte-Fabrikanten des Landgrafen von Hessen. Die Gründung einer gemeinsam mit Heinrich Wendel (ca. 1855–1883) geführten Wiesbadener Filiale fällt vermutlich in dieselbe Phase; die Filiale ist bis 1885 nachweisbar. Ein (undatierter) Verlagsprospekt rühmt die Erzeugnisse von „Fabrik und Kontor Mand Gegr. 1835.“ als die „einzigen deutschen Fabrikate, welche in 15 Jahren mit 19 nur ersten Preisen ausgezeichnet wurden“.

Abbildung: Tafelklavier von Carl Mand (op. 632, ca. 1850), Orgel Art Museum Rhein-Nahe Windesheim, Mand-Sammlung Koblenz in der Festung Ehrenbreitstein; Foto: Birger Petersen


(2) Carl Mand jun. leitete gemeinsam mit seinem Vater ab 1868 das Familienunternehmen und wurde 1875 Teilhaber; als Carl Mand sen. 1882 in den Ruhestand trat, übergab er seinem Sohn Carl jun. die Geschäftsführung. Dieser wurde unter anderem zum Hoflieferanten der Kaiserin und Königin von Preußen ernannt. Mand war Mitbegründer des Vereins Deutscher Pianofortefabriken.

Nachdem Carl Mand jun. ohne Nachkommen verstorben war, wurde das Unternehmen 1907 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Rheinische Pianofortefabriken A.-G. vormals C. Mand überführt, die im gleichen Jahr auch die seit 1832 ebenfalls in Koblenz ansässige Konkurrenzfirma HeinrichKnauß und Söhne übernahm. Anders als Vater und Sohn Mand, die sich vor allem um den Inlandsmarkt bemühten, betrieb die Aktiengesellschaft verstärkt den Export ins Ausland. 1911 gründete sie unter Paul Kappler eine dritte Fabrik in Andernach; 450 Mitarbeiter produzierten jährlich über 3.000 Instrumente. 1929 wurde die Produktion als Folge der Weltwirtschaftskrise eingestellt; das Unternehmen wurde am 13. Oktober 1930 endgültig aufgelöst.

Zu den auffälligsten Konstruktionen Carl Mands jun. gehört der achteckige Mand-Olbrich-Flügel, dessen Gehäuseform um 1900 vom Jugendstilarchitekten Joseph Maria Olbrich entworfen wurde (Mathildenhöhe Darmstadt und Berliner Musikinstrumentenmuseum); zwei kleinere Flügelformen, den „Glockenflügel“ und den „Eckflügel“, ließ sich Carl Mand jun. patentieren, außerdem „Klangstäbe“, die im Resonanzboden des Flügels als „Tonsammler“ dienen sollen, und „T-Rippen“ zur Verstärkung. Die meisten erhaltenen Instrumente der Familie Mand befinden sich in Privatbesitz; das Landesmuseum Koblenz unterhält eine Sammlung in der Festung Ehrenbreitstein.


QuellenZeitschrift für Instrumentenbau 1891–1892, S. 740, 749, 751; 1893–1894, S. 826–828; 1898–1899, S. 885; 1900–1901, S. 676–678, 885; 1902–1903, S. 972f.; 1904–1905, S. 806; 1906–1907, S. 309 <> Adressbücher und Standesamtsregister Wiesbaden

LiteraturFaszination Klavier. 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland, hrsg. von Konstantin Restle, München 2000 <> Wolfgang Schütz, Koblenzer Köpfe. Personen der Stadtgeschichte – Namensgeber für Straßen und Plätze, Mülheim-Kärlich 22005


Birger Petersen

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
  • mand.txt
  • Zuletzt geändert: 2020/07/27 16:19
  • von kk